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#34 Ich: ungeschminkt

  • Autorenbild: Rosemarie
    Rosemarie
  • 1. Sept. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 25. Dez. 2025



Ich saß seufzend vor dem Spiegel.

Damals Mitte 20

und all die Jahre davor wars auch nicht anders.

Blickte der ungeschminkten Wahrheit ins Gesicht.

Blickte mich selbst an.

Frustriert.

Wütend.

Ratlos.


Warum habe ich immer noch Pickel?

Was ist mit mir verkehrt?


Warum haben andere nie welche gehabt –

oder sind da einfach rausgewachsen?

Und ich, zehn Jahre später, kein Teenager mehr,

und sie sind immer noch da.


Ich kannte sie gut.

Ich war sie gewohnt.

Hatte gelernt, mit ihnen zu sein.

Mit ihnen umzugehen.


Ich lernte, ungeschminkt rauszugehen.

Erst nur zum Supermarkt.

Und ich war mir sicher: Alle starren mich an.


Blicke machten mich scheu.


Mit der Zeit merkte ich:

Keiner starrt.

Alle sind mit sich selbst beschäftigt.


Die Stimme in mir, die Abwertung erwartete, wurde leiser.

Ich fühlte mich wohler.

Ich lernte, auch ungeschminkt im Alltag zu sein –

mit vertrauten Menschen.



Und trotzdem:

Ich wollte verstehen.

Nicht nur irgendwie klarkommen.

Nicht mein Leben lang Symptome verwalten.


Also Hautärztinnen.

Und immer wieder dieselbe Leier:

Reinigungsgel. Jene tolle Creme.

Nicht drücken. Dann wird das schon.


Aha.

Gesicht reinigen. Abschminken.

Danke! Brandnew Information.


Es wurde nie wirklich besser.

Kurze Phasen mit reiner Haut –

dann wieder volle Ladung.


Ich ahnte:

Ich bin noch lange nicht an der Ursache.


Ende 20, begann ich mit innerer Arbeit.

Auf diesem Weg begegneten mir die Wirkprinzipien.

Kräfte, die in unserem Alltag wirken.

In uns. In Begnung. Im Leben.

Auf allen Ebenen.


Mit der Zeit fügte sich etwas zusammen.

Große Ahas, kleine Erkenntnisse.

Ein roter Faden wurde spürbar.

Zusammenhänge.

Endlich.


Ich verstand mich.

Ich verstand die Hinweise meine Haut.


Meine Pickel waren kein Zufall.

Sie tauchten dann auf, wenn ich innerlich zerrissen war:

Wenn ich mich und meine Bedürfnisse hinten anstellte.

Für andere da war und mich dabei verließ.

Funktionierte.

Anpassung lebte.

Brav war.


Mit der Anteilearbeit konnte ich die Stimmen einordnen.

Und meine eigentlichen Bedürfnisse erkennen.

Ihnen Raum geben. Endlich.


Meine eigene Stimme war lange zu leise gewesen.

Übertönt von Forderungen und Ansprüchen von außen.


Ich wurde klarer.

Sicherer in mir.

Verbunden.

Ich begann, mir selbst Ausdruck zu geben.

Mit Stimme. Mit Bewegung. Mit Handlung.


Veränderung ging mal schnell, mal zäh.

Jahrzehnte des Sich-Hintenanstellens,

lösen sich nicht in ein paar Wochen auf. Leider.

Es spielerisch angehen half. Enorm.


Und doch:

Mit der Zeit sah ich es – auch im Spiegel.

Die Klarheit in mir wurde zu Klarheit auf meiner Haut.


Heute bin ich dankbar für meine Pickel.

Sie sind mein Glöckchen.

Klare unmissverständliche Hinweisgeber.


Manchmal bemerke ich im Alltag selbst nicht,

wie ich wieder in innere Konflikte rutsche.

Meine Haut zeigt es.


Also... ich schrei dann nicht gerade Hurra...

Aber wenn ein Pickel winkt,

gehe ich auf Forschungsreise.

Halte inne.

Lausche nach innen.

Und sorge für mich.


Ich frage mich:

Wo übergehe ich mich gerade?

Wo bin ich innerlich zerrissen?

Welche Bedürfnisse habe ich nicht gehört?

Wo brauche ich Klarheit?


Und Stück für Stück finde ich sie wieder – in mir.


Körperliche Symptome sind präzise Hinweise

auf emotionale, seelische und körperliche Bedürfnisse.


Ich bin bei mir angekommen.

Und bin nun mit mir unterwegs.


 
 
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