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#24 Emotionen: Die Wellen deiner Gefühlswelt verstehen

  • Autorenbild: Rosemarie
    Rosemarie
  • 4. März 2025
  • 15 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. Jan.

In deiner Sensibilität liegt deine Kraft.
In deiner Sensibilität liegt deine Kraft.

Die Kraft, die dich heimholt

Es gibt eine Energie, die nicht fragt, ob du gut genug bist – sondern ob du sicher bist. Die dich nicht optimieren will – sondern halten. Eine archetypische Kraft, die tief in deinem Inneren sagt: Du darfst fühlen. Du darfst weich sein. Du darfst du sein.

Heute geht es um diese Qualität: Das Bedürfnis nach Schutz, Zugehörigkeit und emotionaler Sicherheit. Die Sehnsucht nach einem Ort – außen oder innen – an dem du nicht leisten musst, sondern einfach sein darfst.


Auch hier wieder: Ich lade dich ein, diesen Text nicht nur zu lesen, sondern wirklich reinzuspüren: Wo erkennst du dich wieder? Wann zeigt sich diese Qualität bei dir – bewusst oder unbewusst?

Oder kannst du sie bei anderen beobachten? Nimm die Impulse mit in deinen Alltag. Beobachte, reflektiere – ohne Druck, nur mit ehrlicher Neugier. So beginnt Veränderung. Still. Echt. Von innen. Mit deinem Fühlwissen.


Was passiert, wenn dieses Bedürfnis übergangen wird?

Wenn du weitermachst, obwohl du längst erschöpft bist. Wenn du für andere sorgst, aber niemand fragt, wie es dir geht. Wenn du Stärke spielst, weil Zartheit keinen Platz zu haben scheint. Dann entsteht eine Leere, die kein Erfolg füllt. Dann wächst ein Schutzpanzer, der schwer wird. Dann wird Nähe zur Bedrohung – oder zur Aufgabe.


Aber diese Kraft kann etwas sehr Kostbares, wenn sie bewusst gelebt wird:

  • Sie verbindet dich mit deinem Instinkt: Du spürst, was du brauchst, bevor du es erklären kannst.– Sie bringt Fürsorge ohne Selbstverlust.

  • Sie macht dich weich, ohne dass du schwach wirst.

  • Sie erinnert dich an das, was dich nährt – im Alltag, in Beziehungen, im Innersten.


Im Alltag zeigt sich diese archetypische Kraft so:

  • Du hast ein feines Gespür für die Bedürfnisse anderer – und manchmal vergisst du dich dabei selbst.

  • Du suchst Tiefe in Beziehungen – nicht Drama, sondern echte Nähe.

  • Du reagierst empfindsam, aber nicht flatterhaft – sondern instinktiv und oft sehr klar.

  • Du brauchst Rückzugsorte: eine Küche, in der es nach Geborgenheit riecht. Ein Bett, in dem du spürst du bist: sicher und geborgen.


Kommunikation – wenn Worte Nähe schaffen: Diese Qualität kommuniziert nicht laut oder technisch – sondern fühlend. Worte entstehen hier nicht im Kopf, sondern im Spüren im Körper. Sie kommen zögerlich, tastend, oft leise. Sie erzählen keine Fakten, sondern Stimmungen. Erzählen nicht, was passiert ist, sondern wie es sich angefühlt hat. Zwischen den Zeilen.

Gespräche aus dieser inneren Kraft sind wie Fenster ins Innenleben – berührend, verletzlich, manchmal schamhaft. Sie kreisen um Bedürfnisse, Erinnerungen, Sehnsüchte. Und schaffen Nähe – aber nur, wenn das Gegenüber zuhört, ohne zu bewerten.

Wenn das fehlt, wird Sprache brüchig. Rückzug statt Austausch. Missverständnisse statt Verbindung. Denn: diese Kommunikation braucht Sicherheit. Erst wenn sie sich angenommen fühlt, zeigt sie ihre ganze Tiefe – und bringt das Unsagbare in Schwingung.


Psychologische:

Wird diese archetypische Qualität nicht bewusst gelebt, zeigt sich das in Form von innerer Überflutung: Gefühle kommen und gehen wie Wellen – aber oft ohne Orientierung. Man verliert sich in anderen, passt sich an, sagt „ja“, obwohl man „nein“ meint. Es entsteht ein Leben im Rückzug, im Schutzraum, im „Zuviel“ an Empfindung – ohne Halt.

Grenzen sind schwer spürbar, weil das eigene Erleben ständig mit dem Außen verschmilzt. Nähe wird ersehnt – aber auch gefürchtet. Dann wird Flucht zur Strategie: in Rückzug, Kontrolle, Überfürsorge oder kindliche Abhängigkeit.

Wenn diese Qualität bewusst gelebt wird, wandelt sich Sensibilität in emotionale Intelligenz. Du spürst, was zwischen den Zeilen mitschwingt. Du kannst Räume halten – für dich und andere. Du wirst weich, ohne dich aufzugeben - da du mit dir verbunden bist. Und beginnst, dich nicht über Fürsorge zu definieren – sondern über das, was du fühlst und brauchst.


Kindheit & Prägung: Kinder mit dieser Grundkraft spüren mehr, als sie in Worte fassen können. Sie haben feine Antennen – für die Stimmung im Raum, die Spannung zwischen Erwachsenen, das Unausgesprochene. Sie lieben Nähe – aber brauchen Rückzugsräume. Sie sind nicht laut, sondern tief.

Oft wirken sie schüchtern oder launisch – in Wahrheit sind sie überfordert. Zu viel Reiz, zu wenig Sicherheit. Ihr Schutzmechanismus ist Rückzug – oder Überanpassung. Sie tun alles, um Harmonie zu sichern – auch wenn sie sich dabei selbst verlieren.

Diese Kinder brauchen keine ständige Animation – sie brauchen Wärme, Berührung, ein „Ich bin da“, auch ohne Worte. Sie blühen auf, wenn sie still beobachten dürfen, mitarbeiten dürfen, etwas wachsen sehen. Wenn man ihnen ehrlich begegnet, ohne Druck, ohne Überforderung. Ihr tiefes Bedürfnis: zu wissen, dass sie nicht allein sind.


Partnerschaft – Verbindung, die nährt: Wenn dieses Wirkprinzip in dir wirkt strebt nach Verbindung, nicht aus Bedürftigkeit, sondern aus dem tiefen inneren Wunsch, zu verschmelzen – ohne sich zu verlieren. Beziehung ist hier nicht Funktion, sondern Zuhause. Es geht um emotionale Geborgenheit, um das Gefühl, gehalten und gesehen zu sein – nicht oberflächlich, sondern im Innersten.

Wird dieser innere Ruf nicht gehört oder nicht erfüllt, verwandelt sich Sehnsucht in Anklammerung, Mitgefühl in Auflösung. Die Grenze zwischen Selbst und Anderem wird fließend – und damit auch verletzlich. Doch wenn dieses Wirkprinzip bewusst gelebt wird, bringt es Beziehungen hervor, die tragen. Die zuhören, bevor gesprochen wird. Die schützen, ohne zu erdrücken. Die Heimat sind – ohne einzuengen.


Aussehen & Konstitution: Dieses archetypische Wirkprinzip prägt Gestalt durch Weichheit. Die Form ist rund, einhüllend, empfangend – weniger zur Abgrenzung als zur Aufnahme gedacht. Die Bewegung ist fließend, organisch, selten zielgerichtet im klassischen Sinne. Sie folgt innerem Rhythmus, nicht äußerem Druck.

Wo sich dieses Wirkprinzip in der Konstitution ausdrückt, ist kaum Raum für Härte oder Konfrontation – sondern für Rückbindung, Einkehr, ein fast körperliches Mitfühlen mit allem Lebendigen. Der Ausdruck bleibt oft nach innen gewendet. Und doch liegt darin eine stille Kraft – eine, die nicht imponiert, sondern berührt.


Körperliche Ebene: Magen, Brustbereich, Verdauungssäfte, Lymphe, Schleimhäute, Körperflüssigkeiten und weibliche Reproduktionsorgane. Alles, was nährt, schützt und durchströmt – sowohl im physischen als auch im energetischen Sinn. Auch die Fähigkeit, Eindrücke zu verdauen – emotional wie körperlich – ist hier zentral.


Symptome: Magendrücken, Verdauungsstörungen, Sodbrennen, Wassereinlagerungen, Zyklusunregelmäßigkeiten, Müdigkeit nach emotionaler Belastung, hormonelle Schwankungen, diffuse Bauchschmerzen ohne klare Ursache, verstärkte Empfindlichkeit gegenüber Stress, Weinerlichkeit, Rückzugstendenzen, emotionales Essen, nächtliche Unruhe oder das Gefühl, sich "voll" oder überladen zu fühlen – körperlich wie seelisch.


Arbeitswelt: In diesem Wirkprinzip steht nicht Leistung im Vordergrund, sondern Beziehung. Es braucht ein Umfeld, in dem Emotionen mitgedacht werden dürfen – nicht als Schwäche, sondern als Teil der Kompetenz. Vertrauen ist zentral: Wer sich sicher fühlt, öffnet sich, bringt sich ein, nährt andere mit Empathie, Feingefühl und echtem Engagement. Die Kraft wirkt oft im Verborgenen, still, im Hintergrund – aber tief. Alles, was zu viel Kontrolle, Druck oder Konkurrenz ausstrahlt, wirkt dagegen wie ein kalter Gegenwind. Ideal sind Rollen mit Gestaltungsspielraum, menschlicher Tiefe und einer Atmosphäre des Angenommenseins.


Berufe: Pädagogik, Pflege, Musik- oder Kunsttherapie, Gastgewerbe mit Herz, Innenarchitektur, Floristik, Sozialarbeit, Familienberatung, Hebamme, Traumapädagogik, Coaching mit emotionalem Tiefgang, Gestalttherapie, Tierpflege, Kinderpsychologie, Ayurveda, Kochen, Aromatherapie, Schauspiel, Filmregie, Ritualbegleitung, Klangarbeit, Sinnstiftung in der Gemeinwesenarbeit, kreative Berufe mit Atmosphäre. Wichtig ist immer: ein echtes Gegenüber, ein menschlicher Bezug, ein Raum für Mitgefühl und Ausdruck.


Orte & Arbeitsplätze: Räume, die weich, geschützt und atmosphärisch sind: Altbauwohnungen mit Holzfußboden, Familienzentren, Hospize, Studios mit gedämpftem Licht, kreative Rückzugsorte, kleine Cafés, Hotels mit Charme, liebevoll geführte Läden, Naturheilpraxen, Beratungsstellen, Yogaräume, Musikzimmer, Schulküchen, Gartenateliers. Überall da, wo der Mensch zählt – nicht nur das Ergebnis.


Wohnstil & Umgebung: Weich, warm, sinnlich. Räume wirken wie eine Umarmung: mit Textilien, Holz, Duft, Kerzen, Zimmerpflanzen. Farben eher pastellig, Materialien naturverbunden. Der Stil lädt ein, nicht ein. Lieblingsstücke haben oft eine Geschichte. Das Zuhause wird nicht designt, sondern „eingerichtet“ – mit Gefühl, mit Erinnerung, mit Hingabe. Nicht selten gibt es einen Garten oder zumindest eine Fensterbank mit Grün. Struktur darf sein, aber sie muss sich weich anfühlen. Der Ort wird zum emotionalen Kraftort – für sich selbst, für Gäste, für Rückzug und Fürsorge.


Kleidungsstil: Hier geht es nicht um Inszenierung, sondern um Gefühl. Die Kleidung dient als zweite Haut – sie soll schützen, einhüllen, Geborgenheit vermitteln. Fließende Stoffe wie Seide, Leinen, Musselin oder Samt stehen im Vordergrund. Farben: sanfte Töne, manchmal pastellig, manchmal erdig, oft mit schimmerndem oder leicht nostalgischem Charakter. Es dominieren weiche Schnitte, wenig Struktur, viele Details: eine Spitzenborte, ein Anhänger mit Bedeutung, ein alter Ring mit Geschichte. Schmuck ist oft emotional aufgeladen – als Erinnerung, als Talisman, nicht als Statussymbol.

Körpersprache: Zurückgenommen, weich, fast vorsichtig. Bewegungen folgen keinem klaren Muster – sie entstehen wie von innen heraus, als Antwort auf Stimmung, nicht auf Plan. Schultern leicht gerundet, der Blick oft scheu oder zur Seite geneigt. Berührungen werden selten, aber sehr bewusst gesetzt. Körpersprache wirkt mehr wie ein Echo – sie spiegelt, statt zu dominieren. Was gesagt wird, klingt sanft, oft leise – aber nicht ohne Tiefe. Hier spricht das ganze System, nicht nur der Mund.

Musik & Film: Klang wird zum Träger von Gefühl. Sanfte Melodien, sphärische Arrangements, träumerische Rhythmen. Ambient, klassische Filmmusik, zarte Indie-Stimmen, alte Chansons – alles, was Tiefe und Raum für Emotionen lässt. In der Filmauswahl zählen nicht Handlung oder Spannung, sondern Atmosphäre. Geschichten, die berühren, versöhnen oder trösten. Magie, Erinnerung, Kindheit, Träume. Filme wie „Life of Pi“, „Big Fish“, „Amélie“ oder moderne Märchen mit melancholischem Grundton.


Kunststil: Nicht kantig, nicht erklärbar, nicht laut. Kunst wird hier zur Sprache des Unbewussten – sie darf berühren, ohne verstanden zu werden. Aquarelle, zarte Verläufe, sanfte Linien, Rundungen, Überlagerungen. Farben wirken wie gefühlt, nicht gesetzt. Es geht um Intuition, um innere Bilder, um Symbolik. Künstler*innen wie William Blake, Chagall oder Odilon Redon spiegeln diese Qualität: mystisch, weich, träumerisch – jenseits von Konzept, aber voller Bedeutung.


Bekannte Persönlichkeiten: Diese archetypische Kraft zeigt sich oft in Persönlichkeiten, die berühren, ohne laut zu sein. Die Welten öffnen, ohne sie zu erklären. Enya, Björk, Tilda Swinton, Marina Abramović, Yoko Ono, Sinead O’Connor, Anohni (Antony), Leonard Cohen, Prince, Florence Welch, Terence McKenna, Kate Bush, Lisa Gerrard, David Lynch, Patti Smith, Nick Cave, Frida Kahlo – sie alle tragen dieses stille Leuchten, diese Tiefe, in der Verletzlichkeit und Stärke eins werden.


Gesellschaftsformen: Hier geht es nicht um Systeme, sondern um Seelenräume. Gemeinschaftlich getragene Orte, Ritualkreise, Familienclans, spirituelle Bewegungen oder fluidere Beziehungsmodelle entstehen aus einem Bedürfnis nach echter Verbindung – nicht nach Kontrolle. Auch soziale Fürsorgesysteme, kollektive Heilräume oder generationenübergreifende Wohnformen gehören dazu. Es zählt nicht, was du leistest – sondern wie du mitfühlst. Die Frage ist nicht: „Was bringt es mir?“ – sondern: „Was heilt uns?“


Literatur: Texte, die nicht führen, sondern begleiten. Die nicht überzeugen, sondern berühren. Hier lesen wir zwischen den Zeilen. Rainer Maria Rilkes Lyrik, Hermann Hesses „Siddhartha“, Clarissa Pinkola Estés’ „Die Wolfsfrau“, Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“, Michael Endes „Momo“, Khalil Gibrans „Der Prophet“. Auch spirituelle Stimmen wie Eckhart Tolle, Marianne Williamson oder Pema Chödrön laden ein, das Tempo zu drosseln und dem nachzuspüren, was leise in uns klingt. Worte werden zu Seelenspiegeln – nicht zur Information, sondern zur Erinnerung.


Farben: Silber, Flieder, Perlmutt, nebliges Blau, Eierschale, zartes Grün – Farben, die sich nicht festlegen, sondern fließen. Sie wirken wie aus einem Traum – sanft, schimmernd, als wären sie Licht, das durch Wasser fällt. Keine lauten Töne, sondern Nuancen. Farbklänge, die dich nicht ansprechen, sondern umhüllen. Sie schaffen Räume für Sanftheit – in dir und um dich herum.


Materialien & Werkzeuge: Hier wirken Stoffe und Werkzeuge, die nicht laut sind, sondern berühren. Materialien wie Baumwolle, Keramik, Seide, Tüll, Spitze – alles, was weich fällt, sich angenehm anfühlt, was schützt, einhüllt oder bewahrt. Auch Alltagsgegenstände wie Eimer, Schwämme, Schachteln oder Kisten haben hier Bedeutung – nicht als Technik, sondern als Symbol: für das Halten, Sammeln, Versorgen. Spiegel, Klebstoff oder Gips verweisen auf die Kraft des Zusammenfügens, des Reflektierens, des Heilens. Werkzeuge sind hier oft leise – wie ein Löffel, ein Tuch, ein Pinsel – oder rituell aufgeladen: Räucherschale, Traumfänger, Amulett. Alles, was emotional bindet, Erinnerungen speichert oder ein Zuhause schafft.


Mineralien: Fluorit, Mondstein, Aquamarin, Perlen, Amethyst – Steine, die Licht brechen, sanft schimmern oder innerlich strahlen.


Natur- und Jahreszeitenzyklus: Zeitraum: ca. 21. Juni – 22. Juli - Diese Phase beginnt mit der Sommersonnenwende – dem längsten Tag des Jahres, an dem das Licht seinen Höhepunkt erreicht. Und doch: Schon in diesem Höhepunkt liegt die Umkehr verborgen. Die Tage beginnen wieder kürzer zu werden, die Nächte wachsen – langsam, still, fast unmerklich.

Es ist die Zeit, in der das Leben sich nach innen wendet. Die Hitze des Sommers breitet sich aus, alles verlangsamt sich. Früchte bilden sich, die Säfte ziehen sich zurück ins Innere. Es geht jetzt nicht mehr ums Erblühen – sondern ums Nähren, um Schutz, um das, was bleibt.

Diese Zeit spricht das „Nest-Programm“ in uns an: Rückzug, Fürsorge, emotionale Sicherheit. Es ist eine Phase, in der vieles äußerlich blüht – aber innerlich verarbeitet, gehalten, integriert werden will.

Sie lädt uns ein, uns wieder mit dem Wesentlichen zu verbinden: Was gibt mir Geborgenheit? Was braucht mein inneres Zuhause? Was will ich bewahren, schützen, nähren? Diese Fragen sind kein Rückschritt – sondern der Beginn von innerem Wachstum.


Landschaften: Hier wirkt das Wirkprinzip besonders in geschützten, feuchten und nährenden Landschaften: Uferzonen, Küsten, bewachsene Flussläufe, quellenreiche Waldlichtungen, Seen, Sumpfgebiete, moosige Höhlen oder Buchten. Es sind Orte, die Rückzug erlauben – weich, feucht, behütet. Räume, die sich wie ein inneres Zuhause anfühlen, in denen Stille hörbar wird und das Wasser in irgendeiner Form gegenwärtig ist.


Pflanzenwelt: Alles, was zart, feuchtigkeitsliebend oder schützend wächst, spiegelt diese Qualität. Dazu gehören Seerosen, Wasserlinsen, Brunnenkresse, Pilze, Kürbisgewächse, Gurken, Melonen, Heckenrosen, Linden oder Mohn. Pflanzen, die sich weich anfühlen, die in Geborgenheit gedeihen oder sich mit Wasser verbinden. Auch Kräuter mit beruhigender Wirkung wie Lavendel, Fenchel oder Anis gehören dazu.


Tierwelt: Friedliche, empfindsame und oft schutzbedürftige Tiere drücken dieses Wirkprinzip aus: Hasen, Enten, Frösche, Meerschweinchen, Schnecken, Muscheln, Krebse, Schildkröten, Seepferdchen oder Würmer. Auch Tiere, die sich einhüllen, tarnen oder verstecken können – Wesen mit sanftem Wesen, die Nähe suchen und Geborgenheit brauchen.


Geruch: Diese Qualität zeigt sich in Düften, die unaufdringlich sind – aber Stimmungen tragen. Der Geruch von Meeresluft, warmer Sommerregen, feuchter Waldboden, ein Hauch Lavendel oder der milchige Duft von gekochtem Reis. Auch warme Haut, alte Bücher oder Heu in der Sonne können diesen zarten, emotionalen Zugang eröffnen.


Geschmack: Diese Qualität bevorzugt Sanftheit. Der Geschmack ist mild, rund, manchmal kaum greifbar – wie ein Eindruck, der eher an eine Erinnerung als an ein konkretes Aroma erinnert. Es geht nicht um Intensität oder Kontrast, sondern um das Gefühl von Vertrautheit, von Zartheit im Mund. Suppen, milde Säfte oder leicht salzige Noten erinnern an Ursprünglichkeit – an Stillen, Nähren, Behüten.


Ernährung: Alles, was nährt – nicht nur den Körper, sondern auch das Gefühl von Sicherheit. Weiche, feuchte Speisen wie Reisgerichte, Suppen, gekochtes Gemüse, Wassermelone oder warme Breie passen zu dieser Energie. Oft vegetarisch, gerne mit wenig Würze. Statt Schärfe: Sanftmut. Statt Exotik: Vertrautes. Getränke wie stilles Wasser, Kräutertees, warme Milch oder Kakao unterstützen das Bedürfnis nach innerer Geborgenheit. Gewürze wirken eher beruhigend – Fenchel, Anis, Lavendel oder Vanille.


Freizeit, Hobbys, Rituale: Diese Qualität sucht das Innere – nicht das Spektakel. Entspannung durch Wasser, Berührung, Musik, Rückzug. Schwimmen, Baden, Segeln, Floating oder einfach in der Badewanne liegen. Kreative Ausdrucksformen, die weich fließen: Aquarell, Lyrik, Improvisation, sanfter Tanz. Rituale mit Duft, Licht, Klängen – nicht zur Show, sondern zur seelischen Rückverbindung. Traumtagebuch, Kerzenrituale, Nähen, Pflanzen umsorgen oder Märchen lesen – alles, was Räume schafft, in denen man sich wieder an sich selbst erinnert.


Der Mond - seine Beschaffenheit und Symbolik

Der physische Mond ist kein leuchtender Himmelskörper aus sich selbst – er ist ein Spiegel. Er reflektiert das Sonnenlicht und macht es für uns sanft, silbern, empfangbar. Genau wie das Wirkprinzip, das er verkörpert, ist er nicht der Ursprung des Impulses, sondern der Ort, an dem Impulse aufgenommen, gespeichert und verwandelt werden.

Seine Oberfläche besteht aus staubigem Regolith – feinkörnigem, porösem Gestein, das sich über Jahrmillionen durch Einschläge und Umwandlungsprozesse gebildet hat. Dieser Staub trägt Erinnerungsschichten, wie ein seelischer Boden, der alles, was auftrifft, aufnimmt – nicht gleich zurückschleudert, sondern integriert. Das passt zum Wirkprinzip des Mondes: nährend, empfänglich, erinnernd.

Die Krater erzählen von Verletzbarkeit – und gleichzeitig von Überleben. Der Mond hat keinen festen, abschirmenden Schutz wie die Erde. Er ist offen für das, was kommt. Er verarbeitet – statt abzuwehren. Seine Bewegung um die Erde ist gebunden – er zeigt uns immer nur eine Seite. Auch das ist sinnbildlich: Wir sehen nur das, was wir anschauen dürfen. Der Rest bleibt im Verborgenen, geschützt.

Die Nähe des Mondes zur Erde – und sein Einfluss auf Gezeiten, Wasser und Wachstum – spiegelt die Verbindung zu unseren inneren Bewegungen. Der Mond zieht nicht an der Oberfläche, sondern an den unsichtbaren Schichten: an Flüssigkeiten, Gefühlen, Zyklen.

Er ist das Symbol für das, was nicht greifbar, aber tief wirksam ist. So wird er zum Bild für alles Mütterliche, Seelische, Rhythmische – das, was uns hält, wenn nichts anderes hält.


Die mythologischen Mondgottheiten – Selene und Luna

In der griechischen Mythologie ist Selene die personifizierte Mondgöttin. Sie lenkt ihren silbernen Wagen Nacht für Nacht über den Himmel – mit stillem Glanz und gleichmäßiger Wiederkehr. Ihre Erscheinung ist sanft, leuchtend und beständig. Sie verkörpert das Geheimnis des Wandels, den Rhythmus des Lebens, das ewige Kommen und Gehen des Lichts in der Dunkelheit.

In der römischen Mythologie erscheint sie als Luna – ebenfalls eine göttliche Gestalt des Himmelskörpers, dem sie ihren Namen gibt. Auch sie steht für Zyklen, Stimmungen und das Wirken des Verborgenen. Anders als die Sonne herrscht Luna nicht durch Kraft, sondern durch Anziehung. Ihr Licht ist ein Echo – und gerade deshalb wirkt es tief.

Beide Göttinnen begleiten den nächtlichen Himmel und haben Anteil an Übergängen, an inneren Reisen und am weiblichen Wirkprinzip der Empfänglichkeit. In vielen Darstellungen zeigen sie sich mit Mondsichel, Schleier oder Stirnzeichen – Symbole für Intuition, Schutz und das Wissen um verborgene Zusammenhänge.

Ihr Wirken ist nicht spektakulär – aber grundlegend. Denn ohne Nacht kein Tag, ohne Wandel keine Reifung. Selene und Luna erinnern an die Kraft des Inneren: das, was sich zeigt, wenn alles andere still wird.


Wenn das Wirkprinzip unbewusst ist oder nicht gelebt wird

Wird diese Qualität nicht bewusst integriert, zeigt sie sich oft in Form von Eskapismus, Suchtverhalten oder Selbstverlust. Man verliert sich in Illusionen, in nie gelebten Träumen oder in der Gefühlswelt anderer. Aus Sehnsucht wird Verwirrung, aus Mitgefühl Überforderung, aus Verbundenheit eine diffuse Angst.

Die Kraft dieses Wirkprinzips wirkt dann nicht verbindend, sondern entgleitend – nicht weniger stark, aber ohne klare Richtung. Es fehlt an innerer Struktur, an Grenzen, an Bodenhaftung.

Das zeigt sich im Alltag beispielsweise so:

  • Realitätsflucht statt Innenverbindung: Wenn die Welt überfordert oder innere Spannungen nicht gehalten werden können, wird ausgewichen – in Tagträume, endloses Scrollen, Alkohol oder auch in spirituelle Umwege, die eher betäuben als klären.

  • Selbstverlust durch Überanpassung: Starkes Mitgefühl ohne gesunde Abgrenzung führt dazu, sich in anderen zu verlieren – ihre Emotionen zu übernehmen, die eigenen Bedürfnisse zu ignorieren oder sich selbst aufzugeben, um Harmonie zu erhalten.

  • Unklare Beziehungsmuster: Man sendet uneindeutige Signale, wirkt verschwommen oder vermeidet Konfrontation. Das schafft Missverständnisse, unklare Bindungen und eine tiefe, unerfüllte Sehnsucht nach Nähe.

  • Körperliche Entsprechungen: Diese Form innerer Überforderung kann sich zeigen als chronische Müdigkeit, Erschöpfung, diffuse Symptome, Schlafstörungen oder Schwächung des Immunsystems.

  • Wurzeln im Erleben: Häufig liegt der Ursprung in frühen Erfahrungen, in denen Grenzen verwischt waren – z. B. durch emotionale Vereinnahmung, fehlende Klarheit oder das Gefühl, für das emotionale Gleichgewicht anderer verantwortlich zu sein.


Heilsame Impulse können sein:

  • Rituale und Rhythmen schaffen, um Halt und Orientierung im Alltag zu gewinnen.

  • Sich selbst abgrenzen lernen – liebevoll, aber konsequent.

  • Das eigene Mitgefühl auf sich selbst ausdehnen: Selbstfürsorge als tägliche Praxis.

  • Räume schaffen, in denen Träume landen dürfen – z. B. durch kreativen Ausdruck.

  • Erkennen, dass Intuition Klarheit braucht – und dass man sie nicht in der Unschärfe findet.


Wenn das Wirkprinzip von emotionaler Geborgenheit blockiert ist: Rückzug, Selbstvergessenheit & stille Erschöpfung

Diese archetypische Kraft lebt von Nähe, Fürsorge, innerer Sicherheit und dem Vertrauen in den eigenen Rhythmus. Wird sie im Alltag übergangen oder verletzt – etwa durch ständigen Anpassungsdruck, emotionale Kälte oder fehlende Rückmeldungen – dann zieht sie sich zurück. Nicht dramatisch, sondern still. Sanft. Und tief.

Du funktionierst vielleicht nach außen – aber innerlich ist da ein Vakuum. Ein ständiges Warten auf etwas, das dich hält. Wenn diese Kraft nicht fließen darf, entsteht kein Drama – sondern das Gefühl, verloren zu sein in der eigenen Haut.


Beruf: Vom unbemerkten Rückzug zur nährenden Präsenz

Du willst Sinn. Verbindung. Ein Miteinander, das sich echt anfühlt. Doch wenn du dich zu oft zurücknimmst, weil niemand fragt oder weil du niemandem zur Last fallen willst – verlierst du deine Stimme. Und damit auch deine Wirksamkeit.

Deine Stärke liegt im Zwischenmenschlichen, im Spüren, im Verbinden. Du bringst Wärme in Räume, Sicherheit in Prozesse. Aber nur, wenn du dich zeigst. Nicht erst dann, wenn alle anderen schon laut waren. Sondern dann, wenn du etwas fühlst. Deine Intuition ist nicht weich – sie ist weise. Lass sie sprechen.


Beziehung: Von emotionaler Anpassung zu echter Nähe

Du gibst viel. Und du brauchst viel – vor allem Sicherheit. Wenn du dich aber ständig zurücknimmst, aus Angst, zu viel zu sein, entsteht kein echtes Miteinander. Sondern Abhängigkeit. Du hoffst, gesehen zu werden – ohne dich zu zeigen. Und leidest, wenn der andere das nicht spürt.

Der Weg raus? Nähe, die nicht von Anpassung lebt, sondern von Ehrlichkeit. Wenn du klar benennst, was du brauchst – ohne Drama, aber mit Herz – wird deine Weichheit zur Brücke, nicht zur Last. Dann kann Beziehung dich nähren, statt dich auszuhöhlen. Und du wirst nicht kleiner, um zu passen – sondern sicherer, weil du dich zeigst.


Gesundheit: Wenn dein Körper nach Geborgenheit ruft

Emotionale Spannungen schlagen dir auf den Magen? Du isst zu viel – oder gar nicht? Dein Schlaf ist unruhig, dein Nervensystem ständig in Alarmbereitschaft? Dann will dein System dir etwas sagen: „Ich brauche Schutz. Ich brauche Zuwendung.“

Diese Qualität braucht kein funktionierendes Außen – sie braucht ein genährtes Innen. Dein Körper will sich sicher fühlen. Nicht unter Kontrolle, sondern gehalten. Heißt: Achte auf tägliche Rituale, die dir emotionale Wärme schenken. Kochen, kuscheln, Schreiben, Badewanne, Körperpflege. Nicht als To-do – sondern als Form der Fürsorge.

Denn dein Körper erinnert sich. An alles, was zu viel war. Und an alles, was gefehlt hat. Wenn du beginnst, ihm zuzuhören – statt ihn zu regulieren – wird aus Sensibilität Resilienz. Und aus Überforderung: Selbstanbindung.


Takeaways

  1. Gefühle sind nie Störung. Sie sind deine innere Wahrheit. Lass sie zu, statt sie wegzudrücken.

  2. Beobachte deine Reaktionen. Nicht jedes Gefühl ist ein Fakt. Manchmal ist es ein alter Schmerz, der getriggert wird.

  3. Achte auf deinen Körper. Deine Verdauung, dein Schlaf, deine Haut zeigen oft, wo du noch anhaften oder zu viel aufnimmst.

  4. Rituale können helfen. Eine bewusste Abendroutine, Journaling oder ein Spaziergang bei Vollmond bringen dich in Einklang.

  5. Du bist nicht „zu sensibel“. Deine Empfindsamkeit ist eine Gabe. Sie zeigt dir, was wichtig ist – wenn du sie annimmst.


Wie immer - zum Schluss meine Einladung an dich

Nimm dir einen Moment Zeit und spür nach. Wo begegnet dir diese Qualität in deinem Alltag – in dir selbst, in deinem Umfeld, in den kleinen Momenten dazwischen? Vielleicht beginnst du zu erkennen, wie dieses Wirkprinzip in deinem Leben wirkt. Manchmal offensichtlich, manchmal still im Hintergrund. Je mehr du ein Gefühl dafür entwickelst, desto klarer wird dein innerer Kompass. Nicht, um dich zu bewerten – sondern um dich tiefer zu


 
 
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