#60 Menschenliebe
- Rosemarie

- 6. Juni
- 1 Min. Lesezeit

Wenn ich dich anschaue, ist es,
als würde ich eine neues Universum entdecken.
Staunend stehe ich da in meinem Raumanzug.
Halte noch Abstand. Schwebe noch ein Stück zurück,
damit ich das Gesamtkunstwerk betrachten kann.
Und gleichzeitig zieht es mich näher.
Denn ich will auch alle Details erkennen.
Die Farben.
Die Schattierungen.
Und ich werde still.
Ich werde in mir still und lehne mich innerlich zurück.
Ich lasse das, was ich wahrnehme, in mich einfallen.
In mich einsickern.
Einfach nur wahrnehmen.
Wo ist Enge?
Wo ist Weite?
Wann wird es eng?
Wann wird es weit?
Vor mir ein ganzes Universum.
Tausende von Galaxien.
Und ich staune.
Ich will a l l e s entdecken und gleichzeitig will ich,
dass es ein G e h e i m n i s bleibt.
Ein Rätsel bleibt.
Etwas, das ich nie vollständig lösen möchte und nie vollständig lösen werde.
Je länger ich schaue, desto weniger weiß ich,
ob ich d i c h entdecke oder m i c h.
Faszinierend, was ich von mir i n d i r sehe
und
was ich durch dich f ü r m i c h erkennen kann.
Was bringt mich zum Klingen?
Was bringt mich zum Schwingen?
Und ich stehe da vor einem Gesamtkunstwerk,
das mitten am Entstehen ist,
noch lange nicht fertig ist.
Es ist lebendig.
Es verändert sich stetig.
Und während ich all das betrachte,
erkenne ich:
Dasselbe existiert auch in mir.
Unvollendet.
Lebendig.
In Bewegung.




