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#63 Funkenflug und Warnraketen

  • Autorenbild: Rosemarie
    Rosemarie
  • 7. Juni
  • 5 Min. Lesezeit

Weißt du, was ich mittlerweile erkannt habe?


Ich schreibe hier von Beziehungen, aber meine dabei generelle zwischenmenschliche Verbindungen, egal in welchem Lebensbereich.


Die wenigsten Beziehungen scheitern daran, dass Menschen verletzt sind.

Die meisten Beziehungen scheitern daran, dass zwei Menschen gleichzeitig überzeugt sind, gerade die objektive Wahrheit zu sprechen.

Dabei sind es oft einfach zwei Nervensysteme, die einen sehr schlechten Tag haben.

Und da aktivieren sich alte Gewohnheiten. Alte staubige vertraute neuronale Netzwerke.

Lange eingeübt.

Lange beobachtet.

Lange für normal gehalten.


Oder eben in der Kindheit immer vor der Nase gehabt, statt einem sicheren Hafen, in dem sie geschützt aufwachsen konnte, nö das war schon das erste Schlachtfeld.


Donnerlittchen!


Dann sitzen wir da, ein du und ein ich.

Zwar im Heute.

Aber äußert verflixt verstrickt im damals.

Im Hintergrund läuft wieder und wieder die klapprige Schallplatte von:

Angst vor Ablehnung.

Angst vor Kontrollverlust.


Und beide denken:

„Nein, nein. D u bist das Problem.“

Das ist manchmal fast schon niedlich.

Fast.

Wäre es nicht so anstrengend.

Soooo verdammt anstrengend...

Und es fühlt sich so oft nach nem Kreislauf ohne Ausfahrt an.

Aber irgendwie auch schwindlig vertraut.

Deine Narben und Wunden stimmen im Chor in das Lied mit ein.

Und das klingt schmerzthaft schräg und schaurig schön.


Irgendwann habe ich verstanden:

Emotionale Reife bedeutet nicht: n i e getriggert zu sein.

Ach, bitte - das geht auch gar nicht.

Das ist auch nicht das Lebensziel.


Irgendwann bemerkst du, die eigenen Vorzeichen:

Das Ziehen im Bauch.

Die Stimme verändert sich.

Die Enge im Brustkorb.

Die Gereiztheit.

Die Körperhaltung.

Die brodelnde Hitze.

Die plötzliche Gewissheit, dass jetzt gleich definitiv die Apokalypse bevorsteht.

Und meistens ist es wolkiger Dienstag.


Emotionale Reife, ein suuuuperwichtiges Wort. Bedeutet halt einfach nur zu bemerken, was in sich selbst abgeht und dafür Verantwortung zu übernehmen. Es nicht mehr auf den anderen abzuwälzen.


Ein: „Oh ha! Da ist er wieder. Mein Kritiker, die Stimmen meiner Eltern, der Vollzeit-Kommentator mit der uralt Brille auf der Nase mit seinen hervorragenden Fehlinterpretationen. Weil er das aktuelle durch alte Filter anschaut."


Erkennen, das sich der leidenschaftlich liebevolle Funkenflug in zerstörerische Warnraketen wandelt und sich zu entscheiden, sie nicht auf dein Gegenüber zu richten, sondern die eigenen Waffen selbst zu entschärfen, weil ist ja deins du kannst das am Besten.


Entscheiden, das sie alle wieder auf das Kommando von Kaptän Gegenwart hört. Der sich liebevoll und bestimmt, um die verflixten Aussreiser kümmert.


Und dann, wenn sie doch da sind - ihnen nicht sofort alles zu glauben, was da so gehässiges erzählt wird. Ist dir schon mal aufgefallen, das es immer wieder dieselbe destruktive, traurige Leier ist? Wie oft willst du das Lied noch auf Reapt hören?


Fehler sind menschlich.

Muster auch.


Aber irgendwann wird es schwierig zu behaupten, man sei überrascht, wenn man dieselbe Tür zum 50. Mal mit Anlauf nimmt und lautschabbernd dagegen kracht.

Und sich danach wieder über denselben Schmerz des altbekannten Dramas wundert.

Denn irgendwann ist es keine Überraschung mehr.

Irgendwann ist es eine Gewohnheit, für du keinen Orden verliehen bekommst.

Und irgendwann sollte selbst das eigene Drama anfangen, ein kleines bisschen langweilig zu werden.


Nicht jede Kritik, die dich aber vielleicht trifft ist als Angriff gemeint.

Warum auch, da ist ja genrell freiwillige Liebe und Respekt dazwischen.

Man beschließt ja freiwillig Zeit mit dem gegenüber zu verbringen.


Und nicht jede Distanz (Zeit für sich) ist der Anfang vom Ende.

Auch wenn unser Gehirn manchmal innerhalb von drei Sekunden einen kompletten Katastrophenfilm produziert.

Mit Soundtrack.

Und Spezialeffekten.


Obacht!


Wann ging das eigentlich los? Schauen wir mal kurz zurück.

Nicht 5 Jahre.

Nicht 10.

Eher 100.

Zwei Weltkriege.

Nachkriegsgenerationen.

Funktionieren. Durchhalten. Weitermachen.


Gefühle? Ah wa, eher schwierig. Also Kompensation und es entstanden Schutzstrategien.

Und die sitzen heute noch mit grauen Bart frischmunter mit am Tisch. Ungebeten und äußerst redselig.


Sie erzählen mit verzerrt schriller Stimme von den lang ignorierten menschlichen Grundbedürfnisse, die da mit hängenden Kopf in dir existieren. Die uns noch heute noch zerbröseln und zermürben.


Wir versuchens immer und immer wieder mit Verbindungen, manchmal vergeblich.

Und uns dann als "Generation Beziehungsunfähig" belächeln, ähm - wie bitte?


Menschen versuchen es mit und trotz ihren Schutzstrategien mit dieser verflixten Liebe.

Wir a l l e.

Der eine wird laut.

Die andere still.

Der eine diskutiert.

Die andere wird manipulativ.

Der eine wird giftig.

Der andere verschwindet.

Die eine verletzend.

Der andere mach einen auf cool.

Die eine kontrolliert.

Der andere passt sich an, bis nix mehr von sich selbst übrig bleibt.


Und j e d e r hofft insgeheim still und stumm auf dasselbe:

Bitte sieh mich, wirklich.

Bitte versteh mich, wirklich.

Bitte geh nicht weg.

Bleib.


Deshalb es gibt nicht den einen perfekten Menschen für die Beziehungen.

Aber najaaa... ein paar passen vielleicht doch besser als andere.

Pssst... such der den Menschen aus, dessen problematischere Seiten, du auch tagtäglich um dich haben möchtest, weil du mit denen umgehen möchtest. Die kommen immer gratis mit dazu, da hilft es auch nicht die tollsten gemeinsamen Hobbys und Interessen gemeinsam zu haben. Najaaa und ein wundervolles Hobby wäre es sich dem Mist widmen zu wollen.

Ganz ehrlich: Ich glaube daran, dass Menschen, irgendwann aus Liebe zu sich selbst und für das Miteinander, den Wunsch haben ihre Muster zu durchdringen.


Freiwillig. Weil sies satt haben. Immer wieder gegen die selbe Wand zu rennen.

Aber gut wir Menschen sind ja recht zäh, wir halten viel aus.

Entscheidest du dann aus Zwang, weil der Schmerz so gräßlich groß wurde oder freiwillig aus Freude.


Denn es kann verdammt viel Spaß machen, wenn man es spielerisch gestaltet und merkt wie man Level für Level meistert. Chacka!

Um sich selbst mitten im Streit plötzlich zu erwischen und halb grinsend halb entsetzt zu sagen: „Moooooment! Moment! Moment! Ich merke, das hier hat gerade mehr mit m i r zu tun als mit dir. Pfui, da mischt sich wieder Altes ins Heute ein.“


Sexy oder.


Und genau dann daaaarüber zu reden, was da eigentlich zwischen zwischen zwei Menschen steht, die sich eigentlich... lieben, oder? Denn der Streit ist doch nur die gut getarnte Oberfläche für deine eigenen übersehenen und ungelebten Bedürfnisse.

Ui?! Aua.


Und seien wir ehrlich:

Wenn jemand diesen Satz von "Moooooment?! usw. etc. pp." in einem Konflikt sagen kann, grenzt an Superkräfte.

Dann entsteht endlich ein m i t e i n a n d e r und nicht ein gegeneinander.

Superkräfte... Doch, doch, sind es - denn du wirst höchstwahrscheinlich der Erste sein, Generationen vor dir, werden es nicht geschafft haben. Sonst wärst du nicht mit den verflixten Prägungen aufgewachsen, die dir heute noch das Leben oftmals schwer machen.


Und die Antwort, um dem Kreislauf ein Ende zu machen ist so simpel: V e r b i n d u n g.

Immer und immer wieder.

Nicht Bilderbuch-schmalzig-glitzer-glatte Verbindung, in der man sich tief in die Augen schaut und sich weiß Gott was schwört, ach komm... lass stecken!


Bleib realistisch.


Sondern das was im Moment gerade geht.

Das was möglich ist.

Das was echt ist.

Immer wieder.


Das ist so was von genug.



 
 
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