#58 Ich verliere dich oder mich
- Rosemarie

- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Ich weiß doch auch nicht, was richtig ist.
Du auch nicht.
Ich bin hin- und hergerissen zwischen zwei Welten.
Du auch.
Wenn unsere Innenwelt sprechen könnte:
Ich will mich öffnen.
Ich will mich zeigen.
Ich will da sein.
Ich will echt sein.
Und, ich will das nicht.
Nicht zu viel.
Nicht zu schnell.
Zeig nicht alles.
Zeig lieber nichts.
Immer auf Messers Schneide.
Immer dieses Balancieren.
In welche Richtung kippt’s?
Wann ist es zu viel für d i c h?
Wann ist es genau richtig für m i c h?
Und es ist so verdammt anstrengend.
Mich zuzumuten.
Immer wieder.
Und trotzdem abzuwägen.
Wann ist es zu viel?
Und es ist immer dann zu viel,
wenn du zurückzuckst.
Wenn ich mutig bin
und du trotzdem zurückzuckst.
Dann stehe ich da.
Und denke mir: Es geht doch nicht ohne mich.
Wenn ich mich zurückhalte, bin i c h nicht da.
Wenn ich mich zeige, bist d u weg.
Und egal, was ich mache,
es fühlt sich nicht ganz richtig an.
Ich wünschte, es gäbe eine Anleitung.
Eine Waage.
Die mir zeigt:
Ja, jetzt ist es richtig.
Jetzt ist es die perfekte Balance.
Für mich.
Und für dich.
Weißt du eigentlich, wie anstrengend das ist?
Beim Anderen zu sein.
Bei sich selbst zu bleiben.
Und sich im dazwischen nicht zu verlieren.
Immer wieder dieses perfekte Mittelmaß suchen.
Und es nicht finden.
Immer wieder versuchen.
Und scheitern.
Immer wieder den Mut haben,
es nochmal zu versuchen.
Obwohl ich so müde bin.
Aber genau davon nicht müde werden.
Weil mir unsere Verbindung wichtig ist.
Ich weiß, wie anstrengend das ist.
Du weißt es auch.
Ich weiß, wie fragil das ist.
Du weißt es auch.
Es ist ein Tanz.
Und es bleibt ein Tanz.
Und hoffe, ich ahne, nein ich weiß,
es wird sich einspielen.
Mit Zeit.
Mit Geduld.
Mit Zuhören.
Mit Gelassenheit.
Mit Humor.
Mit Raum.
Vielleicht wird aus diesem Tanz auf Messers Schneide
einfach nur ein Tanz.
Und ich glaube,
nein - ich weiß,
dass wir beide wissen,
dass das eigentlich nichts Besonderes ist.
Das wir nicht die Ausnahme sind.
Sondern das,
was passiert,
immer passiert,
wenn zwei Menschen sich wirklich begegnen wollen.
Ich glaube nicht nur, dass man da hineinwachsen kann.
Ich bin überzeugt davon.
Mit jedem Menschen neu.
Mit Mut.
Mit Zeit.
Mit Gelassenheit.
Jeder auf seine eigene Art.
Jede Begegnung ein Rohdiamant.
Und wir stehen beide stauend davor
und wissen nicht so genau, wie.
Aber wenn wir bleiben,
wenn wir nicht aufgeben,
wenn wir hinschauen,
statt dicht zu machen -
dann sehen wir beide, wie das u n s funkelt.




