#57 Bleib.
- Rosemarie

- 21. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Mai

Bleib.
Wenn du auf jemanden triffst,
der dich wirklich sieht.
Nicht nur das, was du zeigen willst.
Nicht nur das, was du kannst.
Sondern dich.
Dich,
durch alle Schichten.
Durch die glitzerschönen.
Durch die scheißigschmerzhaften.
Durch die, die du selbst manchmal nur streifst
und die, die du so gut versteckst,
dass du fast glaubst, sie wären weg.
Bleib.
Wenn du bemerkst,
da schaut jemand durch deine Masken hindurch,
die du sorgfältig geschaffen hast,
bleibt trotzdem,
oder gerade deswegen.
Bleib.
Auch wenn in dir Unruhe hochzieht.
Weil auf einmal Raum da ist.
Ungewohnt.
Zu viel Raum.
Für dich.
Raum für alles.
Bleib.
Wenn alles in dir rebelliert.
Weil du das so noch nicht kennst.
Weil dein System meldet:
„Zu ruhig. Zu weit. Zu offen. Kann nicht sein. Kann nicht sicher sein.“
Bleib.
Bleib.
Noch ne ganze lange Weile.
Bleib.
Auch dann, wenn du zurückzuckst.
Bleib.
Auch dann, wenn du ungläubig bleibst.
Bleib.
Auch dann, wenn dein Kopf dir einredet:
„Zu schön, um wahr zu sein.“
Bleib.
Wenn du merkst:
Egal, was du erzählst - da ist kein hartes Urteil.
Nur Raum, für deine Worte
Nur jemand, der zuhört
und daraus nichts gegen dich baut.
Bleib.
Wenn da jemand ist,
der aus deinen Puzzleteilen
kein Urteil macht,
sondern dich als Gesamtkunstwerk sehen und erleben möchte.
Der nicht fragt, um dich festzunageln,
sondern um dich zu sehen.
Weiter.
Tiefer.
Bleib.
Wenn dein Gegenüber dich nicht einordnen will,
sondern dich anschaut
wie etwas, das man nicht lösen muss -
sondern bestaunen darf.
Bleib.
Vor allem, wenn diese Nähe auf einmal ganz nah wird.
So nah,
dass du sie eigentlich wieder wegschieben willst.
Bleib.
Und gib dir selbst die Zeit,
zu bemerken,
dass du in d i e s e m dazwischen nicht mehr auf der Hut sein musst.
Da ist kein Druck.
Kein Ziehen.
Kein „Du musst jetzt…“
Bleib.
Wenn du bemerkst das dein inneres Scannen langsamer wird.
Wenn dieses ständig ratternde Fragen
„Ist es sicher? Ist es sicher? Ist es sicher?!“
.... in tausendfacher Formen, leiser und langsamer werden.
Und sie vielleicht sogar… im d a z w i s c h e n verstummen dürfen.
Und vielleicht wird es so ruhig in dir,
dass es sich f a l s c h anfühlt.
Dann...
Bleib.
Es ist noch unvertraut, ungewohnt.
Bleib.
Wenn du bemerkst,
du kannst dich zurücklehnen.
Ein kleines Stück.
Noch nicht ganz,
aber genug,
um entspannter durchzuatmen.
Bleib.
Wenn Worte weniger werden.
Und dein S e i n reicht.
Einfach mal reichen darf.
Endlich.
Einfach nur sitzen.
Einfach nur da sein.
Einfach nur existieren.
Und d a s genug ist.
Bleib.
Auch wenn du anfängst,
von Dingen zu erzählen,
die schwer sind.
Von deinen vergangenen Version.
Von dem was du sonst bewusst verschweigst.
Von dem, was mal war.
Von dem, auf das du nicht wirklich stolz bist.
Von dem, was dich geprägt hat.
Von dem, was dich heute zu dem Menschen hat werden lassen, der du a k t u e l l bist.
Und du merkst:
Es bleibt ruhiger.
Es bleibt weiter.
Es bleibt.
Bleib.
Auch wenn dein Körper
genau w e g e n dieser Ruhe unruhig wird
und signalisiert:
„Lauf.“
Weil da etwas berührt wird,
so tief,
so ungewohnt,
so echt,
dass du es oft kaum aushalten kannst.
Genau dann.
Bleib.
Bleib.
Ein bisschen länger,
als du es gewohnt bist.
Nur einen Augenblick länger.
Nur einen Atemzug länger.
Dadurch wird es vertrauter.
Weil das kein Zufall ist.
Das ist verkörpters Wachstum.
Dein Level-up.
Leise.
Echt.
Bleib.
Auch wenn dein Kopf es nicht versteht.
Nicht einordnen kann.
Weil es noch keine Schublade gibt.
Nicht alles will verstanden werden.
Echtes will einfach nur erlebt werden.
Der Rest entsteht dann wie von selbst.
Im Körper.
Im Atem.
Durch das Hier.
Durch das Jetzt.
Durch das bleiben.
Deswegen: bleib.




