#17 Prinzipen sind Urkräfte
Aktualisiert: 2. Okt.

Wenn ich von Prinzipien spreche, meine ich damit keine frei erfundene Methode und auch keine moderne Variante von „Du bist halt Widder, deshalb bist du so“. Die Prinzipien stammen aus einer alten symbolischen und hermetischen Denktradition, die ich gelernt und über Jahre vertieft habe.
Der Begriff principium kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Ursprung, Anfang oder Grundlage. Genau darum geht es: Ein Prinzip ist keine einzelne Eigenschaft, sondern eine zugrunde liegende Urkraft, eine bestimmte Bewegungsqualität, die sich auf vielen Ebenen des Lebens ausdrückt.
In der Astrologie begegnen uns diese Prinzipien unter anderem über die zwölf Tierkreiszeichen. Entscheidend ist dabei nicht, einen Menschen einem einzelnen Zeichen zuzuordnen. Jeder Mensch trägt alle zwölf Prinzipien in sich. Die Radix – lateinisch radix, die Wurzel – zeigt die individuelle Grundordnung, in der diese Kräfte bei einem Menschen angelegt sind.
Die Radix ist damit nicht bloß eine Beschreibung von Persönlichkeit. Sie ist die Wurzel, aus der sich die unterschiedlichen Ausdrucksebenen entwickeln.
Eine Urkraft zeigt sich auf vielen Ebenen
Ein Prinzip zeigt sich nie nur an einer Stelle.
Es kann sich in Persönlichkeit, Verhalten, Körper, Beziehungen, Arbeit, Konflikten, Bedürfnissen, Vorlieben, Symbolen, Lebensereignissen und wiederkehrenden Erfahrungen ausdrücken. Die Erscheinungsformen unterscheiden sich, die zugrunde liegende Qualität bleibt dieselbe.
Genau deshalb ist Prinzipienarbeit mehr als Charakterbeschreibung.
Sie fragt nicht nur: „Wie bin ich?“
Sie fragt: Welche Grundbewegung zieht sich durch mein Leben?
Das ist der entscheidende Unterschied.
Wenn dieselbe Qualität in unterschiedlichen Lebensbereichen auftaucht, sehen diese Situationen an der Oberfläche vielleicht vollkommen verschieden aus. Auf der Ebene des Prinzips gehören sie trotzdem zusammen.
Senkrechtes Denken: Was gehört wirklich zusammen?
Wir sind stark an horizontales Denken gewöhnt. Dabei sortieren wir Dinge nach ihrer sichtbaren Kategorie. Alle Säugetiere gehören zusammen. Alle Pflanzen gehören zusammen. Alle Krankheiten gehören in ein medizinisches Ordnungssystem. Farben werden nach Farben sortiert, Berufe nach Berufen, Körperteile nach Körperteilen.
Das senkrechte Denken ordnet anders.
Es fragt, welche Dinge auf einer tieferen symbolischen Ebene dieselbe Qualität verkörpern. Ein Tier, eine Farbe, eine Pflanze, eine bestimmte Tätigkeit, ein Körperbereich, ein Konflikt oder ein psychisches Thema können äußerlich völlig verschiedenen Kategorien angehören und trotzdem Ausdruck desselben Prinzips sein.
Genau darin liegt die Kraft dieses Denkens.
Es verbindet Ebenen, die im horizontalen Denken getrennt bleiben.
Dadurch entsteht ein anderes Verständnis von Zusammenhang.
Nicht: „Diese Dinge sehen ähnlich aus.“ Sondern: „Diese Dinge tragen dieselbe Grundqualität.“
Die zwölf Prinzipien sind keine zwölf Schubladen
Die zwölf Prinzipien sind keine Typologie, mit der Menschen sauber in zwölf Kategorien sortiert werden.Jeder Mensch trägt alle zwölf Prinzipien in sich. Entscheidend ist ihre individuelle Anordnung, Gewichtung und Beziehung zueinander.
Die Radix bildet genau diese Grundordnung ab.
Das Wort radix bedeutet Wurzel. Und genauso wird sie auch verstanden: als Wurzel der individuellen energetischen Struktur. Aus dieser Wurzel entwickeln sich verschiedene Ausdrucksebenen – Persönlichkeit, Verhalten, Beziehungen, körperliches Erleben, Lebensmuster und das, was einem Menschen immer wieder begegnet.
Deshalb endet die Arbeit mit der Radix nicht bei Aussagen wie: „Du bist so und so.“
Spannend wird sie dort, wo sichtbar wird, wie dieselbe Grundordnung durch unterschiedliche Lebensbereiche hindurch wirkt.
Verstrickt und entfaltet
Ein Prinzip ist weder gut noch schlecht.
Jede Urkraft besitzt eine Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten. Sie kann verstrickt gelebt werden oder entfaltet.
Verstrickt bedeutet nicht „falsch“. Es beschreibt eine Form, in der eine Qualität eng geworden ist, übersteuert, unterdrückt, kompensiert oder in einer Weise gelebt wird, die wenig Freiheit lässt.
Entfaltet beschreibt dieselbe Kraft in einer lebendigeren, freieren und stimmigeren Form.
Das Prinzip bleibt dasselbe. Was sich verändert, ist seine Ausdrucksform.
Genau deshalb geht es in dieser Arbeit nicht darum, bestimmte Eigenschaften loszuwerden. Es geht darum, eine Qualität in eine Form zu bringen, die dem Menschen mehr Beweglichkeit und mehr Lebendigkeit ermöglicht.
Warum sich Dinge im Leben wiederholen
Wiederholungen sind in diesem Denken besonders wichtig.
Ein Mensch wechselt den Arbeitsplatz und erlebt später wieder eine ähnliche Spannung. Eine neue Beziehung beginnt ganz anders und landet trotzdem irgendwann an einem vertrauten Punkt. Ein Thema scheint verstanden und taucht in anderer Form wieder auf.
Die Oberfläche verändert sich.
Die Qualität wiederholt sich.
Genau dort wird das Prinzip sichtbar.
Das ist der Grund, warum ich wiederkehrende Situationen nicht als zufällige Aneinanderreihung einzelner Probleme betrachte. Sie gehören in einen größeren Zusammenhang.
Wenn die Grundbewegung noch verstrickt gelebt wird, verändert ein äußerer Wechsel allein nicht automatisch die darunterliegende Dynamik.
Die neue Kulisse reicht nicht, wenn dieselbe Bewegung weiterwirkt.
Auch der Körper ist eine Ausdrucksebene
Der Körper gehört in dieses Verständnis selbstverständlich dazu.
Wenn sich Prinzipien auf verschiedenen Ebenen ausdrücken, dann ist der Körper eine dieser Ebenen. Deshalb hat die symbolische Betrachtung von Krankheit und Symptomen in dieser Tradition ihren Platz.
Krankheit wird medizinisch diagnostiziert und behandelt. Gleichzeitig lässt sich ein Symptom symbolisch als Ausdruck einer bestimmten Bewegungsqualität lesen.
Dabei geht es nicht um ein simples Wörterbuch.
Ein Symptom steht nicht isoliert für eine einzige, starre Bedeutung. Es wird im Zusammenhang mit dem gesamten Menschen gelesen: mit seiner Radix, seiner Lebenssituation, seinen wiederkehrenden Themen, seinen Beziehungen, seinem Erleben und dem System, in dem er lebt.
Genau hier wird das systemische Denken wichtig.
Ein Mensch existiert nicht losgelöst von Familie, Beziehungen, Arbeitswelt und gesellschaftlichem Umfeld. Alles steht in Wechselwirkung. Deshalb wird auch eine körperliche Ausdrucksebene nie aus dem Zusammenhang gerissen betrachtet.
Prinzipien machen den gemeinsamen Nenner sichtbar
Die Prinzipien sind für mich zu einem zentralen Werkzeug geworden, um den gemeinsamen Nenner hinter scheinbar verschiedenen Themen zu erkennen.
Viele Menschen kommen mit mehreren Baustellen gleichzeitig. Beziehung. Beruf. Körper. Entscheidung. Selbstzweifel. Wiederkehrende Konflikte.
Horizontal betrachtet sind das erst einmal verschiedene Bereiche.
Senkrecht betrachtet stellt sich eine andere Frage:
Welche Grundbewegung zeigt sich durch all diese Ebenen hindurch?
Genau dort entsteht Orientierung.
Plötzlich geht es nicht mehr darum, fünf Probleme einzeln zu reparieren. Es wird sichtbar, welche Qualität sich durch das gesamte Erleben zieht.
Und genau das verändert die Arbeit grundlegend.
Schau auf die Wiederholungen
Eine gute erste Annäherung ist ganz einfach: Schau auf das, was sich in deinem Leben wiederholt.
Welche Konflikte kennst du in unterschiedlichen Varianten? Welche Gefühle tauchen zuverlässig auf? Welche Themen begegnen dir immer wieder, obwohl sich die äußeren Umstände verändern? Welche Situationen bringen dich immer wieder an denselben Punkt?
Auch das, was dich stark anzieht, gehört dazu. Welche Qualitäten faszinieren dich? Wo wirst du plötzlich lebendig? Was fühlt sich unmittelbar vertraut an?
In diesen Wiederholungen zeigt sich oft mehr, als wir auf den ersten Blick erkennen.
Zum Weiterdenken
Prinzipien sind Urkräfte. Sie liegen unter den sichtbaren Erscheinungen und zeigen sich auf verschiedenen Ebenen des Lebens.
Die zwölf Prinzipien sind keine zwölf Menschentypen. Jeder Mensch trägt alle zwölf in sich. Die Radix zeigt ihre individuelle Grundordnung – die Wurzel, aus der sich Persönlichkeit, Verhalten, Körper, Beziehungen, Lebensmuster und äußere Erfahrungen entfalten.
Senkrechtes Denken macht sichtbar, was horizontal getrennt erscheint.
Dadurch entsteht ein völlig anderer Blick auf Entwicklung.
Nicht mehr nur: „Wie werde ich dieses einzelne Problem los?“
Sondern: „Welche Grundbewegung zeigt sich hier – und wie lässt sie sich entfaltet leben?“





