#56 Ich glaubte bereits zu wissen wer ich war
- Rosemarie

- vor 6 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Ich glaubte, ich wusste, wer ich bin.
Und vielleicht glaubte ich sogar, ich sei f r e i .
Begann Freiheit dann, wenn ich alles verstanden hatte?
Begann sie nicht vielleicht dort, wo ich meine Wahrheit kannte?
Für meinen Stress und meine Erschöpfung?
Für das, was mich nährte und mich Tränen lachen ließ?
Frei war ich nicht, solange ich mein eigenes System nicht lesen konnte.
Solange ich nicht wusste, woher meine Kraft kam und wo sie sich verstrickte.
Solange ich nicht verstand, warum ausgerechnet ich so viel Power hatte.
Wo ich mich schützte – und wovor.
Wo ich mich entfaltete – und warum.
Freiheit entstand, als ich mein Potenzial nicht mehr suchte,
sondern freilegte.
Schicht für Schicht.
Als ich meine Wunden kannte,
sie nicht länger ignorierte,
sondern begann, sie liebevoll zu pflegen,
bis sie zu Narben wurden, die mich trugen.
Auch wenn es bedeutete,
nochmals mit dem Zeitpunkt der Verletzung in Berührung zu kommen.
Als ich erkannte,
wie ich mich verhedderte
und wie ich mich wieder entfaltete.
Als ich spürte, wie sich Enge anfühlte
und wie sich Weite in mir ausbreitete.
Und ich beides aushalten konnte.
Als ich zuließ, dass dichte Trauma-Energie, die hartnäckig in mir klebte,
nicht länger meine Falle und Grenze blieb, die mich am Fliegen hinderte.
Als ich erfuhr, dass es nun sicher war zu bleiben.
Mit Menschen, die heute sicher waren.
Auch wenn all das Gute noch mit dichtem vergangenem Schmerz verwoben war.
Denn ich lernte, stumpfes Blei zu strahlendem Gold zu spinnen.
Als ich spürte, was mich wirklich hungrig auf das Leben machte,
und meinen Teller überlud, um dann genüsslich bewusst zu essen.
Als ich klar wusste, wann ich mich bremsen musste, ohne mich auszubremsen.
Als meine Worte messerscharf sein mussten
oder weich wie Honig, der sanft umhüllte.
Als ich mit mir selbst radikal liebevoll ehrlich wurde, ohne brutal zu sein.
Als ich erkannte, dass meine vergangenen Lügen Krücken gewesen waren.
Und dass sie sie verabschieden konnte, als meine Beine stark genug waren.
Als ich begriff, dass Härte und Durchhalten mich nicht frei machte.
Dass Sanftheit meine anspruchsvollste Form von Disziplin war.
Dass Hingabe mein mutigster Schritt nach vorne gewesen war.
Als ich bei mir blieb,
auch wenn ich alles und jeden fühlte.
Als ich Nein sagen konnte
und Ja – selbst mit zitternden Knien.
Als ich meine inneren Stimmen kannte
und spürte, wer da genau sprach:
Vergangenheit oder Gegenwart.
Schutz oder Wahrheit.
Als Trigger keine Feinde mehr waren, sondern Einladungen.
Als ich erkannte: Außen und Innen ist das gleiche nur andere Ebenen.
Als ich zyklisch lebte, statt mich linear zu verbrennen.
Als ich die Wirkprinzipien im Alltag sah und nutzte nicht nur verstand,
für mein Ablegen dessen, was ich nicht mehr war,
und meine Wahrhaftigkeit hinein wuchs.
Als Heilung nicht mehr Stillstand bedeutete,
sondern Bewegung durch Schmerz hindurch.
Ich kenne die Spielregeln des Lebens.
Ich spüre in welche Richtung ich mich mit meinen Leben bewege.
Und nun ist sie spürbar: F r e i h e i t .
